Ein Tag mit der deutschen Bahn - Abenteuer pur!

Ein Tag mit der deutschen Bahn

Der ICE auf der Trasse Köln Frankfurt

Der ICE auf der Trasse Köln Frankfurt

Foto: Herbert Günther

Den nachfolgenden Text können Sie auch als Radiobeitrag hören. Er ist in drei Einzelteile gegliedert. Bitte halten Sie die korrekte Reihenfolge ein!

Ein Tag mit der deutschen Bahn - Teil 1

Ein Tag mit der deutschen Bahn - Teil 2

Ein Tag mit der deutschen Bahn - Teil 3


Bahn fahren gehört zu den letzten Abenteuern des Abendlandes,
sieht man einmal vom Ausfüllen der Einkommensteuererklärung oder
dem Heiraten ab
.

Und wer sich in Gefahr begibt, kommt bekanntlich darin um, was aufs Bahn fahren bezogen soviel bedeutet wie: "Wer nicht hören will, muß fühlen". Wenn Sie ein wenig Anteil nehmen wollen, können Sie das hier tun!

Ein Tag mit der Bahn
Ich gebe es ja zu, man hat mich gewarnt. Sogar mehrfach. Was willst du? Zug fahren? Und auch noch an einem Freitag. Du bist verrückt. Ich glaube das nicht. Ich glaube den Pressemitteilungen der Bahn, die sagen, das alles besser geworden ist.

14:25 Uhr Wolfsburg - Bahnhof

Ich erkläre einer netten, jungen Bahnbediensteten, dass ich schnellstens nach Frankfurt am Main möchte. Sie verkauft mir eine Karte für den ICE um 14:53 ab Wolfsburg mit Umsteigen in Hannover. Da habe ich 14 Minuten Pufferzeit, erst um 15:42 soll es nach Frankfurt weitergehen. Alles wird gut!

14:30 Uhr Bahnsteig Wolfsburg

Für meinen Zug werden bereits jetzt 20 Minuten Verspätung angezeigt, somit ist mein Anschluss wohl weg.

Kurz nach 15:00 Uhr ICE nach Hannover

Ich bekomme wieder Hoffnung, obwohl es nicht gut beginnt, denn einen Sitzplatz habe ich nicht bekommen. Naja, für 66 Euro kann man ja nun nicht verlangen, dass man sich auch noch setzten darf.

Übrigens resultiert die Verspätung daraus, dass man in Berlin auf Passagiere aus Stralsund gewartet hat. Sagt zumindest der Lautsprecher im Zug und der muss es ja schließlich wissen!!!

15:41 Gleis 11 in Hannover

Wir atmen auf, der Zug hat die Verspätung reduziert, viele Fahrgäste rennen mit ihrem Gepäck zu Gleis 4. Es ist zwar nur noch eine Minute bis zur geplanten Abfahrt, aber man wird wohl ein, zwei Minuten auf uns warten, machen wir uns vor: Die Bahn belehrt uns eines Besseren.

15:42 Gleis 4 in Hannover

Wir haben noch drei Stufen vor uns, da setzt sich der ICE nach Frankfurt in Bewegung, wir können es nicht glauben. Passagiere aus Stralsund sind wohl etwas Besseres als Passagiere aus Wolfsburg.

Die übrigen Fahrgäste sind hochgradig erbost, ich auch. Ein anwesender Bahnmitarbeiter schaut uns teilnahmslos an, er muss auch nirgendwo hin fahren, er ist schließlich schon da, wo er sein will.

15:53 Anruf bei der Bahn Pressestelle in Berlin

Ich will wissen, warum es bei der Bahn Reisende unterschiedlicher Wichtigkeit gibt und rufe die Pressestelle der Bahn in Berlin an. Ich erreiche das Sekretariat.
Meinen Mitleidenden erkläre ich, dass man im Sekretariat der Bahnpressestelle sprachlos sei, aber den Rückruf eines Bahnsprechers verspricht. Meine Mitreisenden glauben nicht dran, ich übrigens auch nicht.

16:25 2. Anruf bei der Bahn Pressestelle in Berlin

Die Sprachlosigkeit der Bahn hält an, ich teile dem Sekretariat mit, dass mich niemand zurückgerufen hat und ich noch immer eine Antwort erwarte, warum Reisende aus Stralsund wichtiger sind als Reisende aus Wolfsburg. Oder ob diese Reisenden aus Stralsund möglicherweise aus dem Berliner Haus mit der Glaskuppel seien? Das Sekretariat ist zerknirscht, weiß aber keine Antwort.

Ich weise darauf hin, dass um 16:42 der nächste Zug gehen soll und ich bitte vorher erfahren möchte, was der Grund für die Ungleichbehandlung ist.

Vorher deshalb, weil im Zug von Hannover nach Frankfurt bekanntermaßen so gut wie keine Telefonverbindungen möglich sind.

16:42, Gleis 4 in Hannover

Der ICE 16:42 Uhr ist verspätet, wir haben nichts anderes erwartet. Den Zeitpuffer hätten wir eine Stunde vorher gebraucht, aber was soll"s, das Kind ist im Brunnen und von der Bahn-Pressestelle höre ich nichts, aber auch das habe ich erwartet.

16:50 im ICE nach Frankfurt

Ich glaube es nicht. Ich finde einen Sitzplatz aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, denn 5 Minuten später weiß ich, dass ich wohl ein Fahrgast vierter Klasse bin.

Ich fahre nämlich nicht erste Klasse, habe keine Bahn-Card und schon gar nicht die Weihen einer Comfort Card. Die bekommt man, wenn man sich die Bahnfahrerei ganz oft zumutet und für mindestens 2.000 Euro mit Bahncard gebucht hat. Mich trennen davon noch 1.934 Euro und das wird nach meinen bisherigen Erfahrungen auch garantiert so bleiben.

Eine ausgesprochen nette Schaffnerin oder nennte man die Damen Zugbegleiterinnen? erklärt mir, dass ich diesen Platz freizugeben habe, weil ich eben KEINE Comfort Card habe. Vielleicht hätte ich sie mit einem Bibliotheksausweis beeindrucken sollen. Oder mit meiner Lufthansa Miles and more Karte. Oder mit ..., na, lassen wir das!

Formal hat sie natürlich recht, aber nun ist das Maß voll. Es folgt mein letzter Anruf bei der Bahnpressestelle. Während ich mit einer weiteren netten Mitarbeiterin der Bahn Pressestelle spreche, der es alles, sehr, sehr leid tut, machen um mich herum jede Menge Fahrgäste aus dem verspäteten Zug Ihrem Unmut Luft, man hört es per Handy bis nach Berlin. Man verspricht mir nunmehr einen Rückruf innerhalb der nächsten 10 Minuten.
Ich muss lachen, denn es kommt nun, wie es kommen muss. Der Anruf landet da, wo ich ihn auf dieser Strecke erwarte, auf der Mailbox. Das weiß jeder, auch der Bahnsprecher sollte es wohl wissen.

Statt einer Erklärung bekomme ich nur eine Rückrufnummer. Ich kann nur müde drüber lächeln.

17:50 im ICE nach Frankfurt

Ich finde ich einen Sitzplatz. Den behalte ich sogar bis Frankfurt, da die nette Zugbegleiterin wohl keine Plätze mehr für Comfort Card Inhaber mehr benötigt. Vielleicht hängt da jetzt auch das imaginäre Schild : "Vorsicht, Bissiger Journalist!"

19:00 Uhr Frankfurt am Main Hauptbahnhof

Der Zug hat seine Verspätung rausgefahren und rollt pünktlich in Frankfurt in den Hauptbahnhof ein. Das hätte der um 15.42 auch geschafft, aber wozu. Wer Bahn fährt, ist schließlich selbst schuld.

19:17 Uhr Frankfurt Main, Tiefbahnhof

Es fährt ein eine superpünktliche S-Bahn nach Rüsselsheim.

19:40 Uhr Bahnhof Rüsselsheim

Ich verlasse den Zug und gönne mir 20 Minuten Fußmarsch zum Testwagen-Parkplatz eines dort ansässigen Autoherstellers. Das finde ich wirklich erfrischend.

20:15 Uhr

Vier Räder, ein Lenkrad, ein Motor und ICH entscheide, wann es losgeht und wohin, denn ...Ich sitze in einem Auto.

Und ganz ehrlich: Ich frage mich, warum ich ohne Not Bahn gefahren bin. Jetzt bin ich ZUHAUSE!!!!! Auch wenn es formal noch 100 Kilometer nach Hause
sind. Und um die Bahn mache ich zukünftig einen Riesenbogen.

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